Nächstes Ziel unseres Sommerurlaubs war die Gegend um Mount Cook, der mit 3754 Metern höchste Berg Neuseelands.
Wir wurden in der Region mit fantastischem Wetter begrüßt, die Aussicht von unterwegs steigerte unsere Vorfreude auf die vor uns liegende Berglandschaft.
Mount Cook mit Lake Pukaki im Vordergrund:


Die einzige Zivilisation dort besteht aus dem kleinen Ort Mt. Cook Village, in dem es Unterkünfte, ein Café und ein Besucherzentrum gibt. In einiger Entfernung dazu liegt ein kleiner Campingplatz, bestehend aus Stellplätzen (ohne Strom) und einem Toilettenhäuschen.
Unser Camp:

Von hier starteten wir unsere Wanderung, deren Ziel die Müller Hut war, in der wir eine Nacht verbringen wollten. Die Wanderung ist kein Rundweg, man geht an einem Tag hinauf und am nächsten dieselbe Strecke wieder herunter (oder man macht beides an einem Tag).
Auf geht's!

Dabei führt der Weg stetig bergauf über sehr steiles Gelände. Mt. Cook Village befindet sich auf 760 Metern, die Hütte liegt auf 1780 Metern, man muss sich also gut 1000 Meter nach oben quälen.
Auf dem Hinweg waren wir froh über den bedeckten Himmel. Auch ohne brennende Sonne war es ganz schön anstrengend. Wir würden sagen, das anstrengendste, was wir bislang an einem Tag bewältigt haben.

Auf 1250 Metern Höhe bot sich an den Sealy Tarns (zwei klare Bergseen) eine ideale Pausengelegenheit inmitten einer atemberaubenden Landschaft. Schon zu diesem Zeitpunkt waren wir froh, dort zu sein.



Danach begann der schwierigste Teil der Strecke, denn von nun an gab es keinen Weg mehr, sondern eine Route. Das bedeutet, man orientiert sich an orangenen Stangen, welche die Richtung weisen, sucht sich aber selber den besten Weg. Zunächst ging es über große Felsbrocken. Wir waren oft auf unsere Hände als Hilfsmittel zum Vorwärtskommen angewiesen.

Das letzte Stück hatte es dann nochmal richtig in sich. Um auf den Bergkamm zu gelangen, galt es ein steiles loses Geröllfeld zu überwinden. Hier abzurutschen wäre keine schöne Sache.
Steiler Geröllhang:

Oben angekommen machte sich Erleichterung breit, der Aufstieg war geschafft. Beim Blick ins Tal wurde uns leicht schwindelig. Es ist doch beachtlich, wie viele Höhenmeter man da in relativ kurzer Zeit zurücklegt.

Eine Weile mussten wir noch über felsiges Terrain kraxeln bis sie endlich zu sehen war: die leuchtend rote Müller Hütte.

Und wir wurden sogar empfangen: eine Gruppe Keas - die frechen Bergpapageien Neuseelands - wartete schon auf uns. Es waren mindestens neun der Vögel an der Hütte, mehr als wir je zuvor auf einmal gesehen hatten. Es ist immer interessant und lustig, die intelligenten Keas zu beobachten. Die nächste Stunde wurde mit ausgiebigem Fotografieren verbracht.




Die Sonnenuntergänge an der Hütte sollen traumhaft sein. Wir hatten leider Pech, denn es war stark bewölkt. So setzten wir unsere Hoffnung in den nächsten Tag.
Planmäßig standen wir in unmenschlicher Frühe auf, um die Sonne aufgehen zu sehen. Leider war es aber zunächst wieder so bedeckt, dass das erhoffte Farbenspiel ausblieb. Doch allmählich tat sich etwas und der Blick auf die umliegenden Berge wurde frei.
Toaster - Hüttenausgabe:

Lecker Frühstück mit fantastischer Aussicht:

Schließlich waren die Wolken in unserer Höhe verschwunden und wir guckten auf eine dichte unter uns liegende Wolkendecke. Ein herrlicher Anblick! Die Sonne strahlte immer mehr und bald konnten wir ein unglaubliches 360°-Panorama aus schneebedeckten Bergen und Gletschern genießen.


Das Gefühl, in solch einer Umgebung aufzuwachen, ist unbeschreiblich und sonst meist nur Bergsteigern vorbehalten.
Nach dem Frühstück wollten wir auch noch einen Berg besteigen: den direkt neben der Hütte ligenden Mt. Ollivier (knapp 2000 m).
Das war der erste Berg, den Sir Edmund Hillary bestieg, natürlich vor langer Zeit und ohne vorgegeben Weg.
Wir kletterten also vorsichtig den Berg hinauf bis wir auf die rote Hütte hinab blicken konnten. Ein Wahnsinns-Gefühl, sich in dieser Höhe zu befinden und auch noch zu Fuß dort hingelangt zu sein!
Blick von Mount Ollivier:

Wieder an der Hütte angekommen, setzten wir uns auf einen Stein und genossen noch eine ganze Weile die Aussicht. Immer wieder hörten und sahen wir Lawinen von den umliegenden Bergen stürzen, was ein lautes Grollen erzeugte (die Lawinen kann man bis ins Tal hören).

Wir waren absolut beeindruckt und konnten uns nur schwer trennen.
Auf dem Rückweg kamen wir wieder an den Sealy Tarns vorbei, wo wir erneut Pause machten:

Der Abstieg dauerte nicht so lang wie der Aufstieg, war aber auch anstrengend, da die Knie enorm beansprucht wurden.
Doch die Anstrengung vergisst man im Nachhinein (naja...beinahe), so dass die Erinnerung an ein absolut traumhaftes Erlebnis bleibt.
Schöne Sonnenuntergänge hatten wir am Mount Cook trotzdem, wenn auch nicht von der Müller Hütte aus.


Übrigens, für alle, die es noch nicht wissen:
Wir sind Neuseeland immer noch nicht leid und bleiben noch ne Weile. Allerdings verlassen wir Auckland.
Während unseres Aufenthaltes in der Mount Cook-Region entstand die Idee, auf die Südinsel zu ziehen. Tja, und nun geht es für uns tatsächlich nach Christchurch, wo wir etwas außerhalb der Stadt, in Sumner, wohnen werden.
Den nächsten Blog-Eintrag gibt es dann also von dort.