Young-Wilkin-Track
Sylvester in den Bergen
30.12.2010 - 02.01.2011
Nach langer erdbebenbedingter Pause wollen wir endlich mal wieder etwas Normalität in unseren Blog bringen. Da gibt es ein paar Einträge nachzuholen, die hier auf keinen Fall fehlen dürfen. Ist alles nur schon ein bisschen her.
Kurz vorweg zur aktuellen Situation: Wir haben uns ganz gut in Auckland eingelebt. Daniels Job läuft super und Nicole hat schnell Arbeit als Nanny gefunden. Die Stadt hat sich etwas verändert, so dass es viel Neues zu entdecken gibt. Es wurden sogar Nachmieter für das Haus in Sumner gefunden - wir müssen also keine doppelte Miete mehr zahlen.
Hier wird es langsam Frühling und wir freuen uns auf die wärmeren Jahreszeiten.
So, jetzt aber!
Die freien Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nutzten wir für eine viertägige Wanderung im Mount-Aspiring-Nationalpark im Südwesten der Südinsel. Der Young-Wilkin-Track ist recht anspruchsvoll und manchmal abenteuerlich. Los ging es ungewöhnlicher Weise mit einer Jetboat-Fahrt. Um zum Weganfang zu gelangen, müsste man alternativ den Fluss durchqueren (zu gefährlich) oder einen langen Umweg gehen (das hätte einen vollen Tag in Anspruch genommen). Eine rasante Fahrt auf dem Fluss fanden wir deutlich attraktiver. Gemeinsam mit ein paar anderen Wanderern wurden wir in hohem Tempo zum Start des Tracks gefahren. Ein guter Anfang!
Der Weg zur ersten Hütte sollte laut Wanderführer sechs bis sieben Stunden beanspruchen. Entlang des Flusses wanderten wir durch ein Tal in typisch neuseeländischer Natur.
An einem kleinen Unterstand verbrachten wir unsere Mittagspause gemeinsam mit einem anderen Pärchen und mit zahlreichen ungebetenen Gästen - Sandfliegenalarm! Diese kleinen Biester sind echt eine Plage und haben sich nur so auf uns gestürzt, um an unser Blut zu gelangen. Wir hielten uns daher nicht unnötig lange auf.
Von hier an führte uns der Weg stetig nach oben und dem abenteuerlicheren Teil des Tages entgegen.
Moosiger Buchenwald und Wasserfälle finden sich beinahe auf jeder Wanderung. So auch hier.
An einer etwas kritischen Stelle mussten wir über glitschige Steine und Wasser auf die andere Seite des Weges gelangen. Neben der Stelle ging es abwärts und das Wasser floss recht schnell. Hier trafen wir auf zwei weitere Paare und gemeinsam überlegten wir, wie das Ganze am besten zu meistern wäre. Die beiden, mit denen wir die Mittagspause verbracht hatten, verabschiedeten sich hier und kehrten wieder um. Das weitere Pärchen und wir wollten es auf einen Versuch ankommen lassen. Mit etwas Vorsicht und Unterstützung unserer Trecking-Stöcke schafften wir es unbeschadet auf die andere Seite.
Es ging noch eine Weile auf und ab bevor wir die Young Hut erreichten. Die Hütte ist erst wenige Jahre alt und mit vielen netten Mitwanderern verbrachten wir einen gemütlichen Abend.
Am zweiten Tag stand die Überquerung eines Sattels auf dem Plan. Zunächst galt es, über die Baumgrenze zu gelangen. Die Aussichten waren großartig.
Schließlich fanden wir uns umgeben von steilen Felsen in einer dramatischen Kulisse. Ein guter Platz für ein Päuschen vor dem Anstieg.
Und gerade als wir uns in Richtung oben bewegten, setzte heftiger Regen ein.
Da macht man nix. Wir konnten uns nirgendwo unterstellen; wir mussten da hoch.
Solch ein Wetterumschwung bringt es leider mit sich, dass die schöne Landschaft im Dunst verschwindet. Die Sicht vom Pass war trotzdem ziemlich gut, da sich die umliegenden Berge immer mal zwischen den Wolken zeigten.
Es war ganz schön kalt da oben, so dass es wir uns nicht wunderten, Schnee vorzufinden.
Da wir uns ganz oben befanden, konnte es von hier nur bergab gehen. Nachdem wir die Baumgrenze erreicht und einige steile Waldpassagen hinuntergestiegen sind, kamen wir in einem weiten Tal an und erreichten schließlich die Siberia Hut.
Es war der 31. Dezember, doch um spätestens 23 Uhr lagen alle müden Wanderer auf ihren Matratzen. Nur ein Japaner, der allein unterwegs war, hatte sich um Mitternacht aus dem Schlafsack geschält, um das neue Jahr zu begrüßen. Wir verbrachten den wohl ruhigsten Sylvesterabend seit unserer Kindheit.
Wie schön, das Jahr 2011 an einer abgelegenen Stelle in den neuseeländischen Bergen zu begrüßen! Es sah nach einem klaren Tag aus. Perfekt!
Dieser Tag war für einen Sidetrip reserviert. Wir würden am Abend wieder zur selben Hütte zurück kehren. Das heißt, wir konnten den Großteil unserer Sachen in der Hütte lassen, was eine große Erleichterung beim Wandern ist. Da die Wettervorhersage (die allerdings nie besonders verlässlich ist) andeutete, dass es nachmittags schlechter werden könnte, fand das Frühstück sehr früh statt (jedenfalls für unsere Verhältnisse).
Ziel des Tagesausflugs war Lake Crucible - ein alpiner See in spektakulärer Lage. Wir waren sehr gespannt, was uns erwartete, denn wir hatten vielversprechende Bilder gesehen.
Es war schnell klar, dass wir nicht trockenen Fußes ankommen würden. Der Fluss musste mehrfach durchquert werden. Erfrischend!
Bei den schwierigeren Passagen halfen uns unser Stöcke: Sie geben zusätzlichen Halt und die Wassertiefe lässt sich so einfach in Erfahrung bringen.
Es war ein herrlicher Tag und der Weg zum See war bereits ein Highlight der gesamten Wanderung.
Der See war nicht zu sehen, bis wir unmittelbar an dessen Rand standen. Wow, was für ein Anblick! Lake Crucible leuchtete in einem wunderschönen Blau-Türkis und überall auf der Wasseroberfläche schwammen Eisschollen. Wir hatten noch nie etwas derartiges gesehen und waren völlig beeindruckt von der Schönheit dieses Ortes. Bis auf ein weiteres Paar waren wir die einzigen Menschen dort. Wir machten eine wohlverdiente Mittagspause und genossen die Sonne und die Aussicht.

Wir wollten dieses Erlebnis voll auskosten und blieben etwa drei Stunden, bevor wir uns auf den Rückweg zur Siberia Hut machten.
Der vierte und letzte Tag des Young-Wilkin-Tracks war vor allem eins: nass. Da gibt es weder viel zu berichten noch zu zeigen. Wir wanderten ein paar Stündchen durch strömenden Regen, dem auch unsere vollständige Regenbekleidung irgendwann nicht mehr standhielt. Warm war es auch nicht gerade, also hieß es nur "bringen wir's hinter uns".
Wir hatten organisiert, dass uns ein Jetboat am Fluss abholt. Da dies unsere einzige Möglichkeit war, dort wegzukommen, machten wir uns ziemlich früh auf den Weg, um das Boot bloß nicht zu verpassen. Das hatte zur Folge, dass wir eine Stunde warten mussten - ohne Unterstellmöglichkeit, aber in Gesellschaft netter Leute. Wir freuten uns wie die Blöden, als das Boot endlich ankam. Die Gedanken kreisten um warme Getränke, trockene Klamotten, leckeres Essen und vor allem eine heiße Dusche.
Doch zuerst kam eine Fahrt, die wir wohl nie vergessen werden. Man stelle sich vor, dass ein Jetboat mit sehr hoher Geschwindigkeit fährt. Der heftige Regen peitschte uns allen nur so ins Gesicht, so dass es unmöglich war, nach vorne zu gucken oder überhaupt die Augen offen zu halten. Schwierig zu beschreiben, aber das Ganze fühlte sich total surreal an. Wir mussten uns völlig kaputt lachen und den meisten anderen ging es ebenso.
Ein genialer Abschluss für einen abwechslungsreichen Track.
Eingestellt von pie4dan 25.09.2011 16:39 Archiviert in Neuseeland Kommentare (0)




























































































